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08.02.2012, 16:12 Uhr
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Resistenzen durch breiten Ansatz in Human- und Veterinärmedizin bekämpfen Rede von Friedhelm Ortgies MdL im Landtag
Zur Plenar-Debatte um den Antrag der FDP-Fraktion zu „Verbraucher schützen - Multiresistente Keime auf Lebensmitteln wirksam bekämpfen“ sprach Friedhelm Ortgies, Umweltexperte der CDU-Landtagsfraktion, im Landtag.
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| Friedhelm Ortgies während seiner Rede zur Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes bei der Fleischproduktion |
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„Der Antrag der FDP-Fraktion greift ein Thema auf, das die Öffentlichkeit natürlich zunehmend besorgt. Aber ob es wirklich so schlimm ist, wie Herr Dr. Romberg es dargestellt hat? Hoffentlich wird es nicht so schlimm. Wir wollen den Menschen ja auch nicht den Appetit verderben.
Die Gefahr durch multiresistente Keime verunsichert die Menschen, insbesondere jeden, der sich ärztlich behandeln lässt oder der ins Krankenhaus kommt. Europaweit sterben angeblich ca. 25.000 Menschen jährlich an Infektionen, die mit Antibiotika nicht mehr behandelt werden können. Als Mediziner hat Herr Dr. Romberg seinen Antrag hier detailliert erläutert. Ich möchte als Nichtmediziner, als Bewohner des ländlichen Raums und als praktizierender Landwirt an diese Thematik herangehen.
Ausgelöst wurde die aktuelle Diskussion durch eine Untersuchung von Hähnchenfleisch durch Umweltverbände. Von 20 untersuchten Proben waren zehn belastet. Heute wurde eine neue Untersuchung des „stern“ bekannt – Sie haben das angesprochen –, die morgen wohl zu lesen sein wird. Danach waren von 20 Proben fünf belastet. Bei diesem Untersuchungsumfang kann man sicherlich nicht unbedingt von repräsentativen Erhebungen sprechen. Da muss man schon mal fragen: Wo und wann wurde was untersucht? Durch welche Hände ist dieses Fleisch eigentlich gegangen? – Trotzdem ist die ganze Sache natürlich nicht beruhigend. Wir brauchen hier unbedingt belastbare und repräsentative Untersuchungen.
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen startet in diesen Tagen eine umfassende Untersuchung zum Einsatz von Antibiotika – zunächst in Geflügelbeständen und dann in Schweinebeständen. Eingebunden sind über 2.000 Geflügelhalter, fast 40.000 Schweinehalter und 2.000 Tierärzte. Im Sommer dieses Jahres werden wahrscheinlich Ergebnisse vorliegen. Dann werden wir einen Zusammenhang zwischen der Keimbelastung der Tiere, des Fleisches selbst und der damit arbeitenden Personen herstellen können, jedenfalls besser, als das heute möglich ist. Schon heute ist sicherlich unbestreitbar, dass Personen, die mit Tieren arbeiten und leben, überdurchschnittlich häufig von multiresistenten Keimen befallen sind. Ebenfalls ist unbestreitbar, dass auch in der Abluft von Ställen und in Stäuben eine erhöhte Keimbelastung festgestellt wurde.
Vor diesem Hintergrund ist natürlich auch mal die Frage zu stellen – Sie haben es angesprochen, Herr Dr. Romberg: alle werden nicht krank –, ob Personen aus diesem Kreis tatsächlich kranker sind. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Landbewohner kranker sind und öfter ins Krankenhaus müssen als andere. Was man heute aber mit Sicherheit sagen kann, ist: Eine keimfreie Umwelt hat es nie gegeben und wird es sicherlich auch nie geben.
Der FDP-Antrag befasst sich hauptsächlich mit den möglichen Ursachen, die aus der Tierhaltung kommen. Die Berücksichtigung der Humanmedizin kommt mir da etwas zu kurz. Nach Untersuchungen ist es doch wohl so, dass nur ein verhältnismäßig geringer Teil der multiresistenten Keime, die in Krankenhäusern gefunden wurden, ursächlich auf die Tierproduktion zurückzuführen sind.
Ein großer Rest ist auf die oft nicht sachgerechte Verwendung von Antibiotika in der Humanmedizin zurückzuführen. Wenn man bei jedem kleinen Schnupfen meint, man müsse Antibiotika nehmen, ist das sicherlich nicht hilfreich. Im Interesse einer sachlichen Debatte sollte man auch nicht bei dieser einseitigen Sichtweise bleiben. Warum besteht das Problem multiresistenter Keime zum Beispiel in den Krankenhäusern unseres Nachbarlandes Holland kaum, obwohl der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung dort nicht unbedingt geringer ist? Ich will das jetzt nicht näher kommentieren. Aber es liegt sicherlich auch daran, dass man in den Krankenhäusern der Niederlande ein sehr konsequentes Hygienemanagement verfolgt und die Zahl der MRSA-Fälle dort massiv reduziert wurde.
Wir sind uns alle einig, dass der Antibiotikaeinsatz in der Fleischproduktion dringend zurückgefahren werden muss. Dass eine drastische Reduzierung durch ein gutes Management in den Ställen zu erreichen ist, beweisen viele Betriebe schon heute. Ich stelle außerdem fest, dass Bundesverbraucherschutzministerin Aigner den Einsatz von Antibiotika auf ein absolut notwendiges Mindestmaß beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden deutlich erweitern will.
Zum Schluss zu den Forderungen der FDP-Fraktion:
1. Lebensmittel engmaschig auf resistente Keime untersuchen: Ja.
2. Forschungsvorhaben unterstützen, die eine eventuelle Verbreitung von Keimen durch Abluftanlagen untersuchen: Ja.
3. Bedingungen in der Tiermast optimieren: Auch ja.
Diesen Forderungen stimmen wir also zu. Wir sollten die gezielte Verbesserung der Krankenhaushygiene aber ebenfalls nicht aus dem Auge verlieren. Unsere Lebensmittel kommen aus aller Herren Länder und wir leben im europäischen Binnenmarkt. Auch deswegen sollte man den europäischen Ansatz nicht vergessen. Das EU-Parlament hat dazu Vorschläge unterbreitet. Ich schlage auch als Ausschussvorsitzender vor, dass wir uns in den zuständigen Fachausschüssen durch Expertengespräche weiter sachkundig machen, und sehe den Ausschussberatungen, bei denen wir hoffentlich erhellende Ergebnisse bekommen werden, freudig entgegen.“ |
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